Volto Santo

Das Volto Santo von Manoppello

 Nochmals zur Erinnerung, Johannes 20, 1-9:

"Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch, das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle.“

Bei dem sogenannten Volto Santo handelt es, sich wie bereits erwähnt, um das „Seidentuch“, oder wie es im Johannes Evangelium genannt wird „das Schweißtuch“, welches man den Toten auf das Antlitz gelegt hat. Das Volto Santo ist ein 17,5 cm breiter und 24 cm hoher Schleier, der in Manoppello seit 1638 in der Kapuzinerkirche Santuario del Volto Santo auf dem Tarignihügel außerhalb der Stadt aufbewahrt wird.

 Bei dem Trägermaterial handelt es sich um ein hauchzartes Tuch aus Byssus, auch Muschelseide genannt, ein Stoff, der aus den äußerst feinen und widerstandsfähigen Ankerfäden der im Mittelmeer lebenden Steckmuschel gewonnen wird. Der Stoff war in der Antike und im Mittelalter einer der kostbarsten überhaupt. Das Handwerk der Byssusherstellung ist heute fast ausgestorben aber man weis, dass Muschelseide als nicht bemalbar gilt.

Steckmuschel-1758
Steckmuschel-3

Steckmusche aus dem Mittelmeer

Steckmuschel mit Ankerfäden

Steckmuschel-2b

Aus den Ankerfäden wird Byssus gewonnen.

Der Schleier zeigt das Gesicht eines Mannes mit langen Haaren, Bart, geöffneten Augen und leicht geöffnetem Mund. Eine Unerklärliche Ruhe liegt in diesem Blick. Verblüffung, Erstaunen, Verwunderung liegt in seinen Zügen. Mildes Erbarmen. Keine Verzweiflung, kein Schmerz, kein Zorn. Er gleicht dem Gesicht eines Mannes, der gerade vom Schlaf erwacht und in einen neuen Morgen schaut...

Das Gesicht ist von beiden Seiten des Tuches erkennbar, wobei es so fein ist, dass man eine Zeitung dahinter lesen kann. Im Gegenlicht wird das Tuch beinahe so transparent wie klares Glas. Im Gegensatz zum Grabtuch von Turin verhält es sich nicht wie ein Negativ, sondern es wirk eher wie ein Dia-Positiv. Dieses Schleierbild hat vollkommen rätselhafte Eigenschaften, die alle jene ratlos lassen, die es untersuchten.

Erst bei künstlicher Beleuchtung kann man das Antlitz sehen (linkes Bild). Bei reinem Tageslicht ist das Volto komplett durchsichtig (rechtes Bild), so dass man eine dahintergehaltene Zeitung noch lesen könnte.

Das „Heilge Antlitz“, das Volto Santo

Die im folgenden dargestellten Forschungsergebnisse beruhen im wesentlichen auf die Ergebnisse dreier Personen. Zunächst wäre da Schwester Blandina Paschalis Schlömer zu nennen, eine deutsche Trappistin, Pharmazeutin und Ikonenmalerin. Sie ist die eigentliche „Entdeckerin“ des Schleiers von Manoppello. Zwar gab es unter den Einheimischen schon immer das Gerücht, dass man es hier mit dem wahren Antlitz zu tun hat, aber Schwester Blandina war es, die ein Zusammenhang zum Turiner Grabtuch erkannte.

Nach Jahren akribischer Untersuchungen hatte sie Prof. Dr. Heinrich Pfeiffer von der Universität Gergoriana Rom auf den Schleier von Manoppello aufmerksam gemacht. Herr Pfeiffer ist einer der weltweit renommiertesten Turiner Grabtuchexperten. Als Herr Pfeiffer Mitte der Achtziger Post von Schwester Blandina bekam, in der sie ihre Entdeckungen schilderte, glaubte ihr Prof. Pfeiffer zunächst kein Wort. Er fuhr aber nach Manoppello, um sich selber ein Bild zu machen. Als er den Schleier sah, war er überzeugt, das wahre Veronika-Bild gefunden zu haben. Er hat die Tuchreliquie von Manoppello unter den verschiedensten Gesichtspunkten untersucht und u.a. folgendes Buch, gemeinsam mit Werner Bulst, über das Volto Santo publiziert: Das Turiner Grabtuch und das Christusbild, Bd. 2: Das Grabtuch, der Schleier von Manoppello und ihre Wirkungsgeschichte in der Kunst, Frankfurt/Main 1991.

Wirklich bekannt wurde das Tuch aber erst durch Herrn Paul Badde, Vatikan-Korrespondent der WELT und Schriftsteller. Er hat die neuesten Forschungen zum Jesus Bild zusammengefasst und durch eigene Recherchen ergänzt. Die Ergebnisse sind in seinem unglaublich spannenden Buch zusammengefasst: Das Göttliche Gesicht. Die abenteuerliche Suche nach dem wahren Antlitz Jesu, Droemer/Knaur (Dez. 2007).

Von allen Büchern, die ich gelesen habe, ist dieses vielleicht das wichtigste. Es ist ein wirklich großartiges Buch, unglaublich und überzeugend zu gleich.

16. Mai (59)-klein

 Fotograf: Paul Badde © copyright

Seit 1712 findet an jedem dritten Sonntag im Mai eine feierliche Prozession statt, in der das Tuch durch die Straßen des Dörfchens getragen wird.

Herzlichen Dank an Herrn Paul Badde für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung seiner Fotos auf meiner Homepage!

Geschichtliche Legenden

Geschichtlich gibt es sehr viele Legenden über diese Tuch-Reliquie. Bevor das „Volto Santo“ im 16. Jahrhundert nach Manoppello kam, und dort als das Heilige Gesicht verehrt wurde, verehrte man den Schleier im ersten Jahrtausend im Osten als „Abgar-Bild “, danach im Westen in Rom als „Vera Ikon“. Jeder dieser Begriffe steht aber für immer das gleiche Bild!

Die Abgar-Legende

In Edessa im mesopotamischen Königreich Osrhoene, wird die Geschichte überliefert, dass König Abgar von Edessa einen Boten an Jesus aussandte, damit dieser ihn von einer schweren Krankheit heilen möge. Der König wandte sich, als er von dem berühmten Namen Jesus und von seinen Wundern hörte, in einem Brief hilfeflehend an ihn mit der Bitte, geheilt zu werden. Nähere Informationen siehe Abgarlegende

Die Veronika-Legende

Besonders mächtig wurde vor allem die römische Veronika-Legende aus zwei Gründen. Erstens verdichtete sich in ihrem Namen sehr bildhaft der griechisch-lateinische Begriff des „Vera Ikon“, d.h. des „wahren Bildes“. Zweitens wurde ihre Legende als überaus starkes Bild ab dem Mittelalter noch szenisch als 6. Station in die Kreuzwege eingefügt, die sich seitdem in fast jeder Kirche und Kapelle des Abendlands wieder finden. Nähere Informationen siehe Schweißtuch_der_Veronika

Zeichnung der Veronika; 1481; Holzschnitt

Dadurch hat sich das so genannte „Schweißtuch der Veronika“ besonders tief in die kollektive christliche Erinnerung Europas eingeritzt. Der Legende nach, soll eine Frau namens Berenike (in der lateinischen Fassung Veronica) Jesus auf dem Kreuzweg nach Golgota den Schweiß und Blut abgewischt haben soll. Dabei soll sich das Gesicht Jesu auf wunderbare Weise auf dem Schweißtuch als so genanntes Veronikabild eingeprägt haben. Das Schweißtuch der Veronika war einst die kostbarste und meistverehrte Reliquie der Christenheit. Im 16. Jahrhundert wurde eigens ein gewaltigen Tresor im Veronikapfeiler des Petersdoms in Rom gebaut, der diese kostbarste alle Reliquien sicher verwaren sollte.

Das Schweißtuch von Oviedo

Ein „Schweißtuch“ aber kann dieses rätselhafte Bild in Manoppello nie gewesen sein. Denn es finden sich weder Blut noch Schweiß noch Farbspuren darin – im Gegensatz zu einem wahren und wirklichen Schweißtuch in der San Salvador-Kathedrale in Oviedo in Spanien, das Jesus wohl nach seinem Tod vor den Mund gepresst wurde, um den Blutfluss zu stoppen. Auf jenem Tuch in Spanien findet sich aber kein Bild. Das Schweißtuch (Sudario genannt) wurde nach Ansicht des Wissenschaftlers zur Bedeckung des Antlitzes Jesu vor seinem Begräbnis benutzt. Dieses blutgetränkte Tuch weist dieselbe Blutgruppe wie die Grabtuch von Turin auf. Der bemerkenswerteste Umstand ist aber der, dass alle Flecken weitgehend mit dem Gesicht des Turiner Grabtuches übereinstimmen.

Das Schweißtuch der San Salvador-Kathedrale in Oviedo

Das Zeugnis von Manoppello

In dem kleinen Dorf Manoppello in den Abruzzen bei Pescara tauchte ein Schleierbild auf, über das Pater Donata da Bomba am 06. 04. 1646 folgende Dokumentation schrieb und sie beeidigen ließ:

„Im Jahre 1506 befand sich, an einem Sonntag Nachmittag, Doktor Giacomo Antonio Leonelli, ein Physiker und Gelehrter der Freien Künste, auf dem Platz vor der Kirche des Hl. Nikolaus von Bari in Manoppello, als sich ihm ein Unbekannter näherte, der ihm etwas Verpacktes überreichte und ihm empfahl, es mit Verehrung aufzubewahren, weil es sich um eine sehr kostbare Sache handle. Dr. Leonelli entfernte die Umhüllung und hielt das Schleierbild in Händen. Er sah auf, um den Unbekannten um Auskunft zu bitten, was das für ein Bild sei, doch zu seiner Verblüffung war der Unbekannte spurlos verschwunden. Dr. Leonelli lies diesen überall suchen, jedoch ohne Ergebnis. Der mysteriöse Unbekannte war und blieb unauffindbar. Später meinten die Leute, es könne nur ein Engel gewesen sein, denn nur diese seien imstande, sich im Augenblick zu dematerialisieren“.

Nähere Informationen siehe Volto-Geschichte

Pater_Donato

Pater Donato da Bomba verfasste 1646 diese Schrift, um die Herkunft des Volto Santo zu dokumentieren.

Die kostbarste Reliquie der Christenheit in Manoppello?

Alle Indizien sprechen dafür, dass es sich bei diesem Tuch um den sogenannten Schleier der Veronika handeln muss. Man vermutet, das es bis zum Jahr 1608 in der alten Petersbasilika Kaiser Konstantins verwahrt wurde, dem Vorgängerbau des heutigen Petersdoms. Million von Pilgern sind alleine wegen diesem Schleier nach Rom gepilgert. Man kann sich vorstellen, wie entsetzt man gewesen sein muss, als der Schleier, kurz bevor er in den eigens dafür gebauten Tresor im Veronikapfeiler gelegt werden sollte, verschwand. Keiner wusste wohin der Schleier gebracht wurde. Unter allen umständen wollte man vermutlich verhindern, das diese Information vom Verschwinden des Schleiers, weitergetragen wird. Man entschloss sich also, eine Art Attrappe herzustellen, ein Tuchbild mit einem gemalten Gesicht, um weiterhin den Pilgerstrom nach Rom aufrecht zu erhalten. Lange fragte man  sich, warum der Pilgerstrom im 16. Jahrhundert plötzlich abriss. Doch vor diesem Hintergrund, hat man nun eine Erklärung für das Verhalten der Pilger gefunden.

Erst jetzt,  ca. 500 Jahre nach dem verschwinden des Schleier in Rom, ist man sich sicher, ihn in Manoppello wiedergefunden zu haben. Dass da in einem abgelegenen Winkel der Abruzzen die kostbarste Reliquie der Christenheit plötzlich wieder vor uns auftaucht, macht ein wenig hilflos. Keiner hatte je mehr damit gerechnet. Was heute im Vatikan gezeigt wird, kann auf keinen Fall die echte Veronika sein. Auf dem Tuchstück, das im Petersdom noch gezeigt wird, ist kein Bild mehr zu sehen. Wie das Tuch genau nach Manoppello kam, das weiss keiner, das wird wohl eins der unlösbaren Geheimnisse des Volto Santos bleiben. Die Kapuziner sind höchstwahrscheinlich nur deshalb in Manoppello, weil sie dieses Tuch mit dem Christusbild über die Jahrhunderte zu bewahren hatten. Prof. Dr. Heinrich Pfeiffer ist nach seinen Forschungen sicher, das der Schleier von Manoppello genau mit dem Schweißtuch der Veronika, der uralten Reliquie mit dem Antlitz Christi überein stimmt!

Fotograf: Paul Badde © copyright

Wissenschaftliche Untersuchungen am Volto Santo, dem Schleier von Manoppello

Die Wissenschaftler sind davon überzeugt, dass sich die Färbung auf unbekannte Weise innerhalb der Fasern vollzogen haben muss. Der Farbverlauf auf dem Schleierstoff ist völlig übergangslosen.  Eine mikroskopische Untersuchung hat einwandfrei ergeben, dass sich in den Zwischenräumen von Faden zu Faden keine Farb-Pigmente oder sonstige Ablagerungen befinden, die für die Bildentstehung relevant wären. Man hat auch keinerlei Kapillarfluss in die Fasern hinein festgestellt, was beim Auftragen mit einem Pinsel nicht zu verhindern gewesen wäre. In einigen Bereichen des Bildes z.B. in der Pupille hat man jedoch Pigmenten festgestellt, die von einem mittelalterlichen Maler hinzugefügt worden sein könnten, um den Ton der bereits verblassten Farbe etwas aufzufrischen.

Mund-Bereich: Kontur des Zahnes

Wurde das Bild vielleicht vor dem Weben auf die Fasern aufgetragen? Dazu hätten alle Fasern einzeln und mit übergangslosen Farb- und Tonwerten noch vor dem Webvorgang eingefärbt worden sein müssen. Das ist völlig undenkbar. Die Farbgebung findet sich bei entsprechender Beleuchtung sowohl auf den Kett- als auch auf den Schussfäden! Das Schleierbild hat auch eine 3-dimensionale Wirkung, die aber abhängig ist von der Art der Beleuchtung sowie dem Standpunkt des Betrachters (in örtlicher und geistlicher Hinsicht)

Es gibt noch viele weitere Hypothesen, alle in dem Bestreben, zu einer für die Wissenschaft plausiblen Erklärung zu kommen. Man dachte sich, dass das Bild das Werk eines fähigen Künstlers sei, aber Wissenschaftler, Maler, Gelehrte verschiedener Disziplinen schließen dies aus. Kein Künstler kann eine Arbeit dieser Art vollbracht haben.

Kurt Walter Zack, ein Schweizer Architekt, der sich intensiv mit dem Volto Santo befasste hat, meinte: „Wenn der Schleier von Manoppello ein menschliches Werk ist, befinden wir uns vor einem wahren Wunder der Technik.“ Dieselbe Ansicht ist von weiteren Wissenschaftlern vertreten worden, die alle absolut fassungslos waren angesichts dieses Schleierbildes.

Aber es gibt noch mehr verblüffendes über das Schleierbild zu berichten. Da wäre zu einem der Dia-Effekt des Bildes. Das Schleierbild ist von der Vorder- und der Rückseite gleichermaßen gut zu sehen. Die beiden Ansichten sind absolute deckungsgleich. Hätte es sich um ein gemaltes Bild handelt, so würde ein leichter Farbverlaufen genügen, eins der beiden Seiten unterschiedlich wirken zu lassen. Es konnten nicht die geringsten Abweichungen und Differenzen feststellen werden. Zum Anderen wäre da die Übereinstimmung mit dem Turiner Grabtuch zu nennen.

Schwester Blandina war ja die erste, die einen Zusammenhang zum Turiner Grabtuch feststellte. Die Gesichter auf beiden Tüchern sind tatsächlich millimetergenau deckungsgleich, die Proportionen identisch.“ Siehe auch Sopraposition

Das Volto Santo und das Turiner Grabtuch zur Deckung gebracht -ausgestellt im Informationsraum der Basilika in Manoppello.

Das “Urbild” aller Ikonen

Professor Pfeiffer ist überzeugt, in dem "Volto Santo" das Urbild aller Bilder, die Vorlage der gesamten Christusikonographie, gefunden zu haben. Nähere Informationen siehe Ikonenverständnis

Bilder aus der Ausstellung, die in Manoppello zu sehen ist (Erstellt von Schwester Blandina)

Papst Benedikt XVI pilgerte nach Manoppello

Kurz nachdem der Papst das berühmte Buch von Paul Badde „Das göttliche Gesicht“  gelesen hatte, entschloss er sich zu einer Pilgerreise nach Manoppello. Am 1. September 2006 wurde Benedikt XVI. deshalb zum ersten Papst, der nach über vierhundert Jahren wieder im Zwiegespräch vor dem Antlitz verharrte, das so lange als kostbarster Schatz der Christenheit gegolten hat. TV-Stationen katapultierten das Bild in alle Winkel der Erde. Es war ein „point of no return“. Christi Gesicht sei der „Polarstern“ der Christenheit, rief Erzbischof Bruno Forte zur Begrüßung des Pontifex Maximus.

Nur drei Wochen nach seinem Besuch hat Papst Benedikt XVI. das 400 Jahre alte Heiligtum von Manoppello in einem offiziellen Dekret zur Basilika erhoben. Schneller hat der Papst in seinem bisherigen Pontifikat nur selten gehandelt.

           Der Papst begrüsst Schwester Blandina in Manoppello.                     Im Hintergrund: rechts Herr Paul Badde, links Herr Prof. Dr. Pfeiffer

Bei seiner Ankunft im Hubschrauber wurde das Kirchenoberhaupt von der Diözesanleitung und politischen Vertretern willkommen geheißen. Danach begab er sich in die Wallfahrtskirche der Kapuziner. Einige Minuten lang verweilte der Papst in stillem Gebet vor dem Hochaltar, wo das "Volto Santo" aufbewahrt wird. Anschließend betrachtete er das in einem gläsernen Schrein ausgestellte Tuch eingehend aus der Nähe.

In seiner Ansprache rief Benedikt XVI. zur persönlichen Begegnung mit Christus auf. "Das Antlitz Jesu zu suchen, muss das Streben von uns Christen sein", sagte der Papst. Vorbilder dieser Suche seien die Heiligen, die das Angesicht Gottes besonders in den Armen und Not Leidenden erkannt hätten.

Um das wahre Antlitz Jesu und damit Gott sehen zu können, „muss man Christus kennen und sich von seinem Geist, der die Gläubigen zur ganzen Wahrheit führt, formen lassen. Wer Jesus begegnet, wer sich von ihm anziehen lässt und bereit ist, ihm bis zum Opfer des Lebens zu folgen, erfährt persönlich – wie Jesus am Kreuz –, dass nur das Weizenkorn, das in die Erde fällt und stirbt, reiche Frucht bringt."

So wollte Benedikt in seiner Predigt an die Priester, Ordensleute und Theologiestudenten die Suche nach dem Antlitz Gottes verstanden wissen. „Dies ist ein Ort, an dem wir über das Geheimnis der göttlichen Liebe meditieren können, während wir die Ikone des göttlichen Antlitz' Christi betrachten“, sagte der Papst. „Sucht das Antlitz Christi und lernt es kennen”, sagt er dann zum Abschied vor der Kirche den zehntausend Pilger, die den Tag in Manoppello verbrachten.

Theorien zur Entstehung des Abbildes auf dem Turiner Grabtuch und dem Volto Santo

Wie bereits erwähnt, wird über Medien wie z.B. die atheistische Sendung „Welt der Wunder“ die These verbreitet, das es dich bei dem Turiner Grabtuch nur um ein Gemälde von Leonardo Da Vinci handeln kann. Nach ihrer Meinung kann es sich nicht um einen Abdruck Jesus handeln, da bei diesem Prozess ein Zerrbild entsteht. Nach ihrer Vorstellung können bei einen Abdruck nur Verzerrungen entstehen, die darauf zurückzuführen sind, dass ja das menschliche Gesicht keine plane Oberfläche darstellt, sondern quasi die Form eines  „unregelmäßigen Zylinders“ hat. Somit müsste der Abdruck, wenn das Tuch wirklich alle Partien gleichmäßig bedeckte, zwangsläufig Verzerrungen aufweisen. Die Schlussfolgerung: der Abdruck muss künstlich erzeugt worden sein, da Jesus auf dem Tuch unverzerrt dargestellt ist. Leider werden solche “dummen” Argumente zur besten Sendezeit ausgestrahlt. Wie ist der Abdruck nun aber wirklich entstanden? Klar, dass es hier viele Theorien, wobei aber viele gleich durch unseriöse Interpretation aus dem Bereich des Möglichen ausscheiden.

Eine objektiven nachprüfbare Theorie kann ich ihnen an dieser Stelle auch nicht geben, aber für Christen, die an die Auferstehung Jesu glauben, könnte gerade in dem Wunder der Auferstehung eine Erklärung für das Entstehen der beiden Tuchbilder zu finden sein. Die gemäss rational naturwissenschaftlichem Denken unwahrscheinlichste Hypothese, dass nämlich nur während der leiblichen Auferstehung das Bild auf dem Grabtuch entstanden sein kann, ist hier vielleicht die einzig „vernünftige“ Erklärung. Das Blut und die Bildspuren sind zeitlich voneinander getrennt auf das Grableinen gekommen. Dort wo Blut auf dem Tuch zu finden ist, befindet sich kein Abdruck. Der Abdruck kam also später auf das Leinen. Wer beide miteinander Zusammensehen will, kann sie nur mit der durch die Evangelien bezeugten Auferstehung Jesu verbinden“. Was wissen wir über die Auferstehung? Wie stellen Sie sich die Auferstehung von Jesus vor?

Die Auferstehung Jesu war eine ganz andere „Auferstehung“ als die von Lazarus, den Jesus von den Toten auferweckt hat (siehe Johannes 11,17). Obwohl Lazarus schon vier Tage Tot war, holte ihn Jesus durch ein Wunder zurück ins Leben. Lazarus kam in seinem leiblichen Körper zurück ins Leben. In seinem toten Körper fing das Herz wieder an zu schlagen und er kam wieder zu Bewusstsein. Jesus seine Auferstehung war aber ganz anders. Er ist nicht in seinem leiblichen Körper in Leben zurückgekommen, er hatte nach der Auferstehung einen „neuen Körper“ in einem „neuen Leben“. Das Jesus nach seiner Auferstehung einen „anderen“ Körper mit besonderen Fähigkeiten lässt sich indirekt aus der Bibel lesen. Sehen wir uns dafür die erste Szene nach der Auferstehung Jesu aus dem Johannes Evangelium Kapitel 20, 11 an, kurz nachdem das Leere Grab mit den Leinentüchern gefunden wurde:

11Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Als sie nun weinte, schaute sie in das Grab 12und sieht zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, einen zu Häuptern und den andern zu den Füssen, wo sie den Leichnam Jesu hingelegt hatten. 13Und die sprachen zu ihr: Frau, was weinst du? Sie spricht zu ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiss nicht, wo sie ihn hingelegt haben. 14Und als sie das sagte, wandte sie sich um und sieht Jesus stehen und weiss nicht, dass es Jesus ist. 15 Spricht Jesus zu ihr: Frau, was weinst du? Wen suchst du? Sie meint, es sei der Gärtner, und spricht zu ihm: Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir, wo du ihn hingelegt hast; dann will ich ihn holen. 16 Spricht Jesus zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und spricht zu ihm auf hebräisch: Rabbuni!, das heißt: Meister! 17Spricht Jesus zu ihr: Rühre mich nicht an! Denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater. Geh aber hin zu meinen aBrüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott.18Maria von Magdala geht und verkündigt den Jüngern: Ich habe den Herrn gesehen, und das hat er zu mir gesagt.

Im Kapitel 14 heißt es, das Maria von Magdala Jesus sieht, ihn aber nicht erkennt. Obwohl sie ihn doch erst noch vor drei Tagen lebendig gesehen hat, erkennt sie Jesus nicht. Erst als Jesus sie anspricht, erkennt sie ihn. Jesus sein Äußeres muss sich also verändert haben. Das dem so ist, zeigen noch mehr Bibelstellen Johannes Kapitel 21:

Marie_Madeleine

1Danach offenbarte sich Jesus abermals den Jüngern am See Tiberias. Er offenbarte sich aber so: 2Es waren beieinander Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird, und aNathanael aus Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere seiner Jünger. 3Spricht Simon Petrus zu ihnen: Ich will fischen gehen. Sie sprechen zu ihm: So wollen wir mit dir gehen. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts. 4 Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber bdie Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.

Die Jünger Jesu erkennen ihren eigenen Herrn nach der Auferstehung nicht wieder. Sein äußeres Erscheinungsbild hat sich also merklich geändert. Wenn wir das Gesicht auf dem Turiner Grabtuch mit dem Volto Santo vergleichen, wirkt das Gesicht auf dem Seidentuch tatsächlich jünger und nicht mehr so gezeichnet von der Folterung. Aber noch etwas eigenartiges wird in der Bibel berichtet Johannes Kapitel 20, 19-20:

19Am Abend aber dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! 20Und als er das gesagt hatte, azeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen.

Kapitel 20, 26-28:

26Und nach acht Tagen waren seine Jünger abermals drinnen versammelt, und Thomas war bei ihnen. Kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und tritt mitten unter sie und spricht: Friede sei mit euch! 27Danach spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! 28Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und cmein Gott!

Ist ihnen beim Lesen der beiden Abschnitte etwas aufgefallen? In beiden Fällen wir davon berichtet, dass die Tür verschlossen war und Jesus dennoch mitten unter seinen Jüngern tritt. Ich denke, dass ganz bewusst erwähnt wurde, dass die Tür verschlossen war und das Jesus den Raum dennoch betreten konnte. Sicherlich fragen Sie sich, was dass mit den beiden Tüchern zu tun hat. Während der Auferstehung Jesus muss sich etwas unglaubliches ereignet haben. Folgendes könnte sich abgespielt haben:

Der Körper des toten Jesus liegt in Leinenbinden gewickelt im Grab, sein Antlitz mit einem sehr kostbaren Seidentuch bedeckt. Nun, so eine Theorie, hat sich der gesamte Körper in reine Energie umgewandelt. Eine geheimnisvolle Kraft tritt aus dem Leichnam hervor und erleuchtet die Grabkammer. In diesem Moment entmaterialisiert sicher der Körper Jesu unter den Leinentüchern. Als sein Körper vollständig in Energie umwandelt war, hat er die Tücher durchdrungen. Dabei hat sich vielleicht das Abbild auf die beiden Tücher verewigt und hat so der Nachwelt buchstäblich eine „Momentaufnahme“ von der Auferstehung hinterlassen. Da das Leinentuch im direkten Kontakt mit dem Körper war, hat sich ein Fotonegativ gebildet, das den gerade gestorbenen leiblichen Körper abbildete. Das Seidentuch, welches auf dem Leinentuch lag, gibt einen späteren Moment des Umwandlungsprozess wieder, in dem sich aus der Strahlung wieder ein „neuer Körper“ formte der Jesus ein etwas andres Aussehen gab.

JesusinShroud
jesus_grabkammer-neu02

Das Strahlungen eine Abbildung hinterlassen kann, beobachtete man erstmals nach Abwurf der Atombombe in Hiroshima.  Als Folge des Strahlenblitzes hinterließen viele Gegenstände einen sogenannten „permanenten Schatten“. Wissenschaftler beobachteten, dass der Strahlenblitz der Bombe Beton in eine leicht rötliche Tönung verfärbte; die Oberfläche von Granit wurde abgeschält und gewisse andere Baumaterialien versengt, ferner hatte die Bombe an einigen Stellen Abdrucke von Schatten hinterlassen, die durch ihr Licht geworfen waren“. Ein ähnlicher Vorgang hat vielleicht die Bildentstehung am Grabtuch bewirkt. Vielleicht wurden die beiden Abdrücke mit „Licht geschrieben“.

Eine wissenschaftlich Belegte Erkenntnis, wie sich die Entstehung des Abbildes erklären lässt, wird es vielleicht nie geben. So einfach lässt sich Gott nicht in die Karten schauen. Alle Versuche, die Grabtücher als "Fälschungen zu enttarnen" sind bis jetzt ins Leere gelaufen und werden es sicherlich auch zukünftig tun. Gut, dass es noch Dinge gibt, die sich nur mit Hilfe des Glaubens erklären lassen.